mehrere Kinder

Wie sie‘s machen, ist es falsch: Das böse Jugendamt

Hilde von Balluseck

30.07.2014 Kommentare (0)

In der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung findet sich en Artikel, in dem schwer gegen das Jugendamt hergezogen wird. Der Vorwurf lautet, Jugendämter würden ohne Not Kinder aus der Familie nehmen und fremd unterbringen.

Ich will gar nicht leugnen, dass es solche Fälle gibt. Ob aber die in dem Artikel berichteten Fälle die ganze Wahrheit widergeben, kann man nicht wissen. Die dort aufgezählten Gründe klingen zu lächerlich. Anordnen kann nur ein Richter oder eine Richterin eine Herausnahme des Kindes. Dazu müssen die MitarbeiterInnen des Sozialpädagogischen Dienstes massive Verletzungen des Kindeswohls nachweisen. Der Artikel ist extrem polemisch.

Denn schauen wir uns mal die Schlagzeilen an, wenn ein Kind in der Familie durch Gewalt der Eltern zu Tode gekommen ist. Dann heißt es: Das Jugendamt hat seine Arbeit nicht ordentlich gemacht, das Kind hätte schon längst aus der Familie herausgenommen werden müssen, und so weiter und so weiter.

Das eigentliche Problem wird in beiden Fällen nicht benannt. Der Sozialpädagogische Dienst des Jugendamts, der das Kindeswohl in den Familien im Auge haben soll, ist in vielen Kommunen unterbesetzt. Die Wahrnehmung der Probleme in einer Familie, die Arbeit mit den Eltern, die Zusammenführung von Kindern mit ihren Eltern nach einem Aufenthalt im Heim - all dies sind hoch anspruchsvolle Tätigkeiten, die den MitarbeiterInnen ein gehöriges Maß an seelischer Kraft abverlangen. Und natürlich kann es zu Fehleinschätzungen kommen. Um sie zu vermeiden, bräuchte es Zeit für Teambesprechungen, Fortbildungen usw.

Das Bashing des Jugendamts - mal wegen eines zu schnellen, mal wegen eines zu späten Eingriffs in das Elternrecht - sollte man sich sparen und stattdessen die Sozialpädagogischen Dienste besser ausstatten.

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